Forschung & Innovation

DIE KULISSEN DER ZUKUNFT

 
 

Herausforderung in Dezibel

Lärmschutz

26/08/2010

Die Forscher der SNCF konnten in 20 Jahren zehn Dezibel 'einsparen'. Weitere fünf sollen es bis 2012 werden und noch einmal zehn bis Ende des Jahrzehnts.

Zurück zur (Lärm)quelle. Bis zu 80 km/h sind Lüftung und Motor die größten Lärmproduzenten im Zug. Bis 300 km/h dann dominiert das Rollgeräusch. Bei 320 km/h beginnt der Luftwiderstand, dem Rollgeräusch den Lärmpegel-Rang abzulaufen. Lärmquellen kumulieren sich und Lärmreduktion erfordert eine Kombination von Lösungen. Die SNCF-Forschung hat eine ganze Reihe davon entwickelt, wie zum Beispiel die Optimierung der Ventilatoren des Kühlsystems der Dieselgruppe oder Lärmabsorber, die zugleich an Schienen und Rädern befestigt wedren. Das gemeinsam mit dem CNRS entworfene Programm "Vamppass" analysiert den Lärm eines vorbeifahrenden Zuges und gibt an, welche Quelle vorrangig behandelt werden muss. Dann müssen diese ganzen Lösungen nur noch verbunden werden. Ergebnis: Reduktion des Lärms auf ein Fünftel!

Zoom auf die Bremsen. In der Ile-de-France ergaben Messungen, dass die Hauptquelle des Lärms Bremsklötze aus Materialien waren, die bei Regionalzügen verwendet werden. Das war das Aus für gusseiserne Bremsklötze! Sie wurden bei 85 % des Fuhrparks durch Bremsbacken aus Verbundmaterial ersetzt, das gerade neu aus den Forschungslabors der SNCF kam. Der Lärm beim Vorbeifahren wurde dadurch deutlich reduziert, nämlich um 8 bis 10 Dezibel. Nächste Herausforderung: Das Kreischen der Bremsen beim TGV wird im Rahmen des PREDIT untersucht. Die Lärmquellen wurden identifiziert und verschiedene Bremsgarnituren getestet. Die Untersuchungen gehen weiter ...

Die Brückenfrage. Es gibt 900 Eisenbahnbrücken aus Metall in Frankreich. Bei niedrigen Frequenzen kommt der Lärm von der Brückenoberfläche (dem Brückenbelag), bei hohen Frequenzen von den Schienen. Die Lösung, die sich die SNCF für das RFF ausgedacht hat, ist ein innovativer Cocktail: Ein System verbesserter Schienenbefestigung, dynamische Absorber, die an den Schienen und am Brückenbelag angebracht werden und Schallschutzschirme bringen die Brücken bei der Überfahrt des Zugs zum Schweigen.

Die neue Schallmauer. Die Anrainer vor dem Lärm der Güterzüge schützen: Dieses Projekt hat das RFF den Forschern der SNCF anvertraut. Es wird im Rahmen des Programms PREDIT durchgeführt. Statt immer imposantere Schutzvorrichtungen zu konstruieren, haben sie eine neue Generation von Schallschutzschirmen entwickelt. Diese sind viel niedriger als die geraden Betonwände, die Straßen und Bahngleise säumen, und schonen dadurch die Landschaft. Die Lärmdämmung wird durch eine besondere Geometrie erreicht. Besonders wirksam ist ein solcher Schirm, wenn er mit "Diffraktionskanten" versehen wird, die die Schallwellen "abprallen" lassen. Die Forscher der SNCF haben auch Arbeiten des CSTB aufgegriffen und ein Programm entwickelt, das alle Eigenschaften der idealen Schallschutzmauer berechnet. Eine erste solche Mauer wird 2010 errichtet. Dann wird sich erweisen, ob sie so wirksam ist, wie Anrainer und das RFF erwarten, das sehr viel in die Beseitigung heikler Lärmpunkte im Schienennetz investiert.


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