Der autonome Zug, eine Revolution bei der Bahn

Fahren die ersten Prototypen von autonomen Zügen schon ab 2023 auf unseren Gleisen? Das ist zumindest das Ziel des SNCF-Konzerns und seiner Industriepartner. Entdecken Sie das Programm „Autonomer Zug“.

SNCF et ses partenaires annoncent des trains autonomes d'ici 2023

Mehr Züge, mehr Pünktlichkeit und Energieeinsparungen

Erhöhte Pünktlichkeit, flüssigerer Verkehr, geringerer Energieverbrauch und eine größere Verkehrskapazität... Der autonome Zug verspricht eine ganze Menge. Deshalb haben wir seit 2018 mit dem Entwicklungs- und Forschungsinstitut für Bahntechnologie Institut de Recherche Technologique (IRT) Railenium und unseren Industriepartnern1 zwei Konsortien gegründet, um zwei autonome Zugmodelle zu entwickeln:

  • ein Güterzug wird für Fret SNCF von Alstom, Altran, Hitachi und Apsys entwickelt
  • der andere wird für TER und den öffentlichen Personentransport von Bombardier, Bosch, Spirops und Thales konstruiert

Unser Ziel? Bis 2023 sollen vollautomatische Zugprototypen auf unseren Schienen fahren und ab 2025 soll der Industrialisierungsprozess beginnen.

57 Mio

Euros Gesamtbudget für die erste Phase des Projekts²

TER Hauts-de-France startet die ersten Tests mit dem autonomen Personenzug

Die Region Hauts-de-France wurde ausgewählt, um den Prototyp eines autonomen Zuges zu entwickeln und zu erproben. Die Tests fanden während einer Woche Anfang März 2021 zwischen Aulnoye und Busigny (Département Nord) und zwischen Busigny und Calais (Département Pas-de-Calais) statt. Der Prototyp, ein Zug vom Typ TER Regio 2N, der im Alstom-Werk Crespin (ex-Bombardier) modifiziert und mit einem Modul „Autonomer Zug“ ausgerüstet worden war, fuhr auf einer für den kommerziellen Verkehr offenen Strecke. Mit an Bord: die Ingenieure und Techniker des Projekts.

Mit diesen Versuchen wurden insbesondere erprobt:

  • Wahrnehmungs- und Erkennungssysteme für Signale, die sich entlang der Strecke befinden
  • das Geolokalisierungssystem, mit dem die Position des Zuges genau bestimmt werden kann

Eine zweite Testreihe wurde im Mai organisiert, um ein teilautonomes Fahrsystem (automatische Beschleunigung und Bremsung des Zuges, überwacht durch einen Zugführer) auf demselben Laborzug zu entwickeln. Das Bremsvermögen und die Beschleunigungsautomatik des mit Wärmekameras, Lidars (Lasererkennung) und Radaren ausgestatteten Zuges wurden auf einem Anschlussgleis in Busigny (Département Nord) erprobt. Der modifizierte Regio2N legte im Laufe eines Tages dreißig Mal 700 Meter zurück, mit Spitzenwerten von 25 km/h.

Für die speziell geschulten Testfahrer geht es bei diesem auf zwei Jahre angelegten Experiment um das Erreichen des vollständig autonomen Fahrens bis 2023.

Wir wollen so bald wie möglich in der Lage sein, entsprechend den Fortschritten der Technologie Züge mit verschiedenen Autonomieniveaus zu betreiben.

Luc Laroche, Projektleiter Autonomer Zug bei SNCF

Neue Berufsbilder

Über die reine Innovation hinaus gehen aus de Forschung und Erprobung von autonomen Zügen neue Berufsbilder hervor, wie z. B.:

  • Supervisor für die Verfolgung der Züge
  • Pilot für die Fernsteuerung
  • Fernwartungstechniker für die Reparatur aus der Distanz

Der erste teilautonome Zug auf den Schienen

Erstmals fuhr in Frankreich, zwischen Longwy und Longuyon, eine Lokomotive vom Typ Prima BB 27000 in Teilautonomie. Unter der Aufsicht von Testfahrern fuhr die Zugmaschine unter realen Betriebsbedingungen, mit zu 100% automatisierten Beschleunigungs- und Bremsfunktionen. Dieser Test, der am 29. Oktober 2020 durchgeführt wurde, markiert eine wichtige Etappe für das Projekt „Autonomer Zug“.

Le 1er train autonome circule sur le réseau ferré national

Autonomer Zug: Was wird sich ändern?

Die Automatisierung von Zügen bringt spürbare Vorteile für Bahnkunden:

  • größere Kapazität, da mehr Züge mehr Fahrgäste und Güter befördern können
  • ein besserer Verkehrsfluss und höhere Regelmäßigkeit, dank harmonisiertem Verkehr und optimierter Geschwindigkeit, wodurch unvorhergesehene Ereignisse besser bewältigt werden können
  • ein umweltfreundlicheres Transportwesen, dank verringertem Energieverbrauch und der Verlagerung von der Straße auf die Schiene

Mit Fernsteuerung Richtung autonomer Zug

Nach 18 Monaten Forschung und Erprobung haben unser Konzern und seine Partner (IRT Railenium, CNES, Actia Telecom und Thales) im April 2019 den ersten ferngesteuerten Zug auf einer 4 km langen Strecke zwischen Villeneuve-Saint-Georges (Département Val-de-Marne) und Juvisy-sur-Orge (Département Essonne) getestet. Speziell für diese Erprobung wurde ein experimentelles Fernsteuerungs- und Kontrollzentrum in Vigneux-sur-Seine (Département Essonne) entwickelt und gebaut.

„Den goldenen Mittelweg zwischen Menschen und Automatisierung finden“

Unser Bestreben ist es, die richtige Balance zwischen Menschen und Automatisierung zu finden. Bei der Entwicklung und Einführung des autonomen Zuges achten wir ständig auf die Zukunft der Menschen und ihrer Berufe und bereiten sie schon jetzt aktiv auf die kommenden Veränderungen vor, indem wir Schulungspläne und Begleitungsmaßnahmen für jeden Mitarbeiter entwickeln.

Luc Laroche, Direktor des Projekts „Autonomer Zug“ bei SNCF

1 Die industriellen Partner von SNCF beim Projekt „Autonomer Zug“ sind: das Institut de Recherche Technologique (IRT) Railenium, Alstom, Bombardier, Bosch, Spirops, Thales, Altran, Apsys und Hitachi.

2 Finanziert zu 30% durch SNCF, zu 30% durch den Staat (über das IRT Railenium) und zu 40% durch die Industriepartner.