Foto Banner oben: Christophe Recoura

Öffnung für den Wettbewerb

Nach dem Schienengüterverkehr und den internationalen Strecken in den 2000er Jahren öffnen sich nun allmählich auch der französische Fernverkehr (Hochgeschwindigkeit und Intercités) und die Regionalzüge TER für den Wettbewerb. Für unseren Konzern ist das eine willkommene Gelegenheit, seine in Europa einzigartige Eisenbahnkompetenz in die Waagschale zu werfen.

So funktioniert die Öffnung für den Wettbewerb

Welche Bereiche?

Die Öffnung des französischen Eisenbahnmarktes betrifft diese 3 Bereiche:

  • Schnellfahrstrecken (HGV, Fernverkehr),
  • Interregio-Züge (TET, Kurz-/Mittelstrecken, die von SNCF betrieben werden), bei denen der Staat der Aufgabenträger ist,
  • Regionale Schnellbahnen (TER, Kurzstrecken), deren Betrieb durch Abkommen mit den Regionen, d.h. den regionalen Aufgabenträgern (AOM, Autorités Organisatrices des Mobilités) geregelt ist.

Welcher Zeitplan?

Für die Liberalisierung der französischen Eisenbahn wurde ein genauer Zeitplan festgelegt:

  • Seit Dezember 2019 können die Aufgabenträger (Staat, Regionen) ihre Rahmenverträge ausschreiben.
  • Ab Dezember 2020 werden alle HGV-Linien geöffnet („Open Access“), die keinem Regionalabkommen unterliegen.
  • Ab Dezember 2023, sind die Aufgabenträger (Staat, Regionen) verpflichtet, bei Ablauf von bestehenden Betriebsverträgen Neuausschreibungen durchzuführen.

Welche Märkte?

Die Öffnung für den Wettbewerb betrifft zwei verschiedene Arten von Aktivitäten:

  • Hochgeschwindigkeitsstrecken, die von mehreren verschiedenen Anbietern betrieben werden können,
  • Verträge, bei denen die Aufgabenträger einen einzigen Betreiber für einen Teil oder ihr gesamtes Netz bestimmen.

Der Zeitplan für die Wettbewerbsöffnung

Der Zeitplan für die Wettbewerbsöffnung

Das Bild besteht aus einer farbigen Zeitleiste, die horizontal darstellt, wie der Zeitplan für die Öffnung für den Wettbewerb nach Märkten organisiert ist.
Die Jahreszahlen (in horizontalen orangefarbenen Blöcken) reichen von 2018 bis 2027, im Bild oben von links nach rechts.

Drei vertikale Einträge unterhalb der Jahre geben die verschiedenen Zeitpläne für die drei verschiedenen Märkte an, nämlich Hochgeschwindigkeitsstrecken (TGV), Interregio-Züge (TET) und regionale Schnellbahnen (TER).

Für TGV zeigt die Tabelle, dass das Monopol (dunkelgrauer horizontaler Block) im Jahr 2020, dem Datum der Wettbewerbsöffnung (blauer horizontaler Block), endet.

Für die Interregio-Züge TET zeigt die Tabelle, dass das Monopol (dunkelgrauer horizontaler Block) 2019 endete. Bis 2023 kann der Staat Ausschreibungen durchführen oder Linien an SNCF vergeben (hellgrauer horizontaler Block). Ab 2024 sind Ausschreibungen verpflichtend, es sei denn, es besteht eine Ausnahmeregelung (blauer horizontaler Block).

Für TER zeigt die Tabelle, dass das Monopol (dunkelgrauer horizontaler Block) 2019 endete. Bis 2023 können die Regionen Ausschreibungen durchführen oder Linien an SNCF vergeben (hellgrauer horizontaler Block). Ab 2024 sind Ausschreibungen verpflichtend, es sei denn, es besteht eine Ausnahmeregelung (blauer horizontaler Block).

Die Öffnung der französischen Eisenbahn für den Wettbewerb in neun Zeitpunkten

Welche Märkte sind in jedem Segment geöffnet?

Hochgeschwindigkeitslinien

Jeder Betreiber kann die Genehmigung erhalten, diese Linien im gesamten Staatsgebiet anzubieten, insbesondere jedoch auf den rentabelsten Strecken wie: Paris - Lyon, Paris - Lille, Lyon - Marseille und Paris - Bordeaux.

Interregio-Züge (TET)

Diese Linien werden derzeit im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Staat, der als Aufgabenträger für den Transport fungiert, von Intercités betrieben. Im Dezember 2020 erklärte die Regierung die Ausschreibung für die Intercités-Linien Nantes-Lyon und Nantes-Bordeaux, bei der SNCF der einzige Bewerber war, für beendet. Was die anderen acht Linien betrifft, so müssen sie vor einer zukünftigen Ausschreibung erst saniert werden.

Regionale Schnellbahnen (TER)

Diese Linien werden derzeit von TER betrieben, im Rahmen von Vereinbarungen mit den Regionen, die als Aufgabenträger für Mobilität fungieren.

Fünf Aufgabenträger haben bereits Ausschreibungen zur Vergabe von Strecken an einen anderen Betreiber als SNCF gestartet:

  • die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) oder Region Sud,
  • die Region Hauts-de-France,
  • die Region Grand Est,
  • die Region Pays-de-la-Loire,
  • die Metropolregion Île-de-France.

État des lieux des procédures d'appels d'offres

État des lieux des procédures d'appels d'offres

Diese Grafik stellt die 12 französischen Regionen dar. 2020-2030 entspricht der Laufzeit der Vereinbarung zwischen dem behördlichen Aufgabenträger und SNCF.

Für diese rot markierten Regionen laufen Ausschreibungsverfahren:

  • Hauts-de-France (2018-2024)
  • Grand Est (2017-2024)
  • PACA (2019-2023)
  • Pays de la Loire (2018-2023)

Für diese gelb markierte Region ist ein Ausschreibungsverfahren angekündigt:

  • Île-de-France (2020-2023)

In diesen grün markierten Regionen sind Ausschreibungsverfahren während der Geltungsdauer der Vereinbarung möglich:

  • Auvergne-Rhône-Alpes (2017-2022)
  • Nouvelle-Aquitaine (2017-2024)
  • Normandie (2020-2029)

In diesen grau gekennzeichneten Regionen sind während der Geltungsdauer der Vereinbarung keine Ausschreibungsverfahren vorgesehen:

  • Bretagne (2019-2028)
  • Centre-Val-de-Loire (2014-2021)
  • Bourgogne-Franche-Comté (2018-2025)
  • Okzitanien (2018-2025)

Wie wir uns auf die Ankunft der Konkurrenz vorbereiten

Anlässlich der Einführung des neuen Serviceangebots auf der TGV-Strecke Paris-Lyon im Oktober 2021 beantwortete Jean Rouche, der Leiter der TGV-Achse Süd-Ost, 3 Fragen. Er erklärte insbesondere, wie sich diese Strecke auf die Öffnung für den Wettbewerb vorbereitet.

Er betonte: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das Wort zu erheben und bereit zu sein, schon bevor unsere Konkurrenten kommen. Wir wollen auf jeden Fall die Initiative haben“.

Trois questions à Jean Rouche, directeur de l’Axe TGV Sud-Est

Was sich für Sie ändert

Mit der Öffnung des Schienenpersonenverkehrs für den Wettbewerb können neue Eisenbahnunternehmen Züge auf Strecken anbieten, die bisher dem nationalen Betreiber SNCF vorbehalten waren. Dies ist bereits in anderen Ländern der Europäischen Union der Fall, zum Beispiel fahren Züge des Konzernunternehmens Keolis jetzt Bahnhöfe in Deutschland oder England an.

SNCF in Europa

SNCF verfügt über eine in Europa einzigartige Bahnerfahrung: Großbritannien, Belgien, die Niederlande und Deutschland mit Eurostar und Thalys, die Schweiz mit Lyria, Deutschland mit Alleo, Spanien mit Elipsos. Eine Entwicklung, die noch erst in den Kinderschuhen steckt...

1 Im Jahr 2015 wurden die Aufgaben der Verkehrsaufsichtsbehörde Araf (Autorité de Régulation des Transports) auf den Fernbusverkehr und konzessionierte Autobahnen ausgedehnt. Die Behörde entwickelte sich damit unter dem Namen Autorité de Régulation des Activités Ferroviaires et Routières (Arafer) zu einer Regulierungsbehörde für den multimodalen Verkehr. Im Oktober 2019 wurde die Arafer in Autorité de Régulation des Transports (ART) umbenannt und ihre Kompetenzen auf die Regulierung der Flughafengebühren ausgeweitet.