Die französische Eisenbahn seit 1827

Seit der ersten Eisenbahnstrecke Kontinentaleuropas im Jahr 1827 hat der Zug in Frankreich menschliche Tragödien, technologische Herausforderungen, kulturelle Revolutionen und noch viel mehr erlebt... Entdecken Sie die Geschichte der Eisenbahn und jener, die sie schreiben.



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  2. 1922
  3. 1930
  4. 1933
  5. 1934
  6. 1937
  7. 1938
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1933

BUGATTI BAUT RASENDE SCHIENENBUSSE

Nach einem Treffen zwischen Raoul Dautry, dem Chef der Staatsbahn, und Ettore Bugatti fällt am 9. August 1932 die Entscheidung über den Kauf zweier schneller Triebwagen mit Verbrennungsmotor. Ettore Bugatti stürzt sich in die Konstruktion eines Triebwagens, der besser ist als alles, was es bisher gab.


Der erste Bugatti wird im Frühjahr 1933 ausgeliefert: der Schienenbustriebwagen mit Umkehrkupplung ist 23 Meter lang und hat schon in dieser Zeit ein aerodynamisches Profil. Er wird von vier Bugatti-Motoren mit je 200 PS angetrieben. Bei Testfahrten erreicht da Gefährt 172 km/h. Am 30. Juli 1933 lässt sich Staatspräsident Albert Lebrun damit nach Cherbourg bringen. Die 372 Kilometer werden bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h in 3h15 zurückgelegt. Im Oktober 1934 erreicht ein Bugatti-Triebwagen sogar 192 km/h und stellt damit einen neuen Weltrekord für Schienenfahrzeuge auf. Das ist der Durchbruch: Insgesamt baut Bugatti in mehreren Serien 88 Schienenbustriebwagen für die Staatsbahn und die Eisenbahnunternehmen PLM und SNCF.


1934

KONKURRENZ FÜR DEN ZUG, DER „CODE VERLANT“ TRITT IN KRAFT

Inzwischen hat die Eisenbahn ernsthafte Konkurrenz von anderen Transportmitteln bekommen. Deshalb bildet der französische Staat 1934 einen Ausschuss Schiene-Straße zur Ausarbeitung eines ersten Regelwerks, das im Jahr darauf in Kraft tritt.
Es wird beschlossen, den Transport zu „koordinieren“: 10.000 km Schienenbuslinien sollen in den nächsten 40 Jahren verschwinden, die Fahrgastbeförderung von Autobussen übernommen werden.
Eine Kommission, der Eugène Verlant, der Betriebdirektor von PLM vorsitzt, erarbeitet eine komplette Erneuerung der Eisenbahn-Signalordnung mit dem Ziel, die Signalisierung aller Eisenbahnunternehmen zu vereinheitlichen. Der „Code Verlant“, der 1934 in Kraft tritt, weist jedem Signal seine eigene, spezifische Form zu: Quadrat, Kreis, Dreieck oder Rechteck. Die Farbe gibt die entscheidende Information: Grün = der Weg ist frei, Gelb =Warnung oder Verzögerung, Rot = anhalten.


1937

EIN EINHEITLICHES EISENBAHNNETZ UNTER DER REGIE DES STAATES

110 Jahre nach Eröffnung der ersten Strecke in Frankreich sichert die Eisenbahn die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Aber ab 1920 schreiben alle Eisenbahnbetreiber Verluste. Im Jahr 1936 erreicht das Defizit 37 Mrd. Francs. Verstaatlichung ist die einzige Lösung, die sich bietet. Am 31. August 1937 wird per gesetzlich bestätigtes Abkommen die „Société Nationale des Chemins de Fer Français“, die SNCF, gegründet. Die fünf großen Eisenbahnunternehmen fusionieren zu einem einzigen Netz, das unter der Verwaltung und Verantwortung des Staates steht, für eine Dauer von 45 Jahren. Die Fusion wird durch ein Logo symbolisiert, in dem sich die vier Anfangsbuchstaben des Akronyms ineinander verschlingen.


1938

DIE GEBURT VON SNCF

Das Gesetz von 1937 hat die offizielle Gründung von SNCF am 1. Januar 1938 zur folge. Der Staat hält 51% des Kapitals der gesamtwirtschaftlichen Aktiengesellschaft, der Rest gehört privaten Aktionären wie beispielsweise der Rothschild-Gruppe. SNCF muss wie ein normales Industrieunternehmen wirtschaften und gleichzeitig die Aufgaben des öffentlichen Dienstes wahrnehmen. Das Unternehmen ist in fünf Regionen gegliedert, die zum Teil der Organisation des Eisenbahnnetzes vor 1937 entsprechen: Ost, Nord, West, Südwest und Südost. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten 515.000 Eisenbahner für das Unternehmen, das 42.700 Kilometer Schienenstrecken betreibt, davon 8% elektrifiziert.


1939

SNCF IM ZWEITEN WELTKRIEG

Die Eisenbahn hat größte strategische Bedeutung für das Militär... Sie befördert Soldaten und Kriegsmaterial... Nach dem Ende der Kriegshandlungen im Juni 1940 wird sie im Zuge des Waffenstillstandsabkommens vollständig und zur freien Verfügung dem deutschen militärischen Transportwesen unterstellt.

Die Résistance, der französische Widerstand, und auch die Widerstandskämpfer in den Reihen der Eisenbahner selbst widmen ihr mit ihren Aktionen besondere Aufmerksamkeit. Dazu gehört auch der „Plan Vert“, eine Serie von Aktionen während der „Operation Overlord“, der alliierten Invasion in der Normandie. Die Eisenbahn wird allerdings auch von den Nazis zum Transport der Deportierten in die Konzentrations- und Vernichtungslager missbraucht.

Nach dem Krieg muss die SNCF sofort wieder ihren Aufgaben im ganzen Land gerecht werden. Aber sie hat 20% ihrer Mitarbeiter und Ausrüstungen verloren. Zum Beispiel existieren im Jahr 1944 nur noch 6.000 Dampflokomotiven von ehedem 18.000... und auch das durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogene Schienennetz muss möglichst schnell wieder instandgesetzt werden.

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1946

ERSTER MODERNISIERUNGS- UND ELEKTRIFIZIERUNGSPLAN

Im Rahmen des Wiederaufbaus wird 1946 ein Planungskommissariat eingerichtet. Ab 1947 treten bei SNCF nacheinander fünf Pläne für Wiederaufbau und Modernisierung des Netzes n Kraft. Die Eisenbahn genießt höchste Priorität bei den Anstrengungen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.


Der erste Plan betrifft die Jahre 1947 bis 1953. Er sieht die Modernisierung der Achse Paris-Lyon und ihre Elektrifizierung mit 1.500 Volt Gleichstrom vor. SNCF-Generaldirektor Louis Armand initiiert aber auch erste Tests in Savoyen mit dem wirtschaftlicheren und leistungsfähigeren Einphasenwechselstrom. Schließlich wird beschlossen, die industrielle Arterie in Nordost-Frankreich zwischen Valenciennes und Tionville mit dem neuen Einphasenwechselstrom zu elektrifizieren, um dem steigenden Bedarf an Beförderungskapazitäten für Kohle, Erz und Produkte der Eisen- und Stahlindustrie gerecht zu werden.