1938-2008 :
Die SNCF-Präsidenten

Die Mandate unserer Präsidenten sind Eckpfeiler und Zeugnisse der Unternehmensgeschichte zugleich.


1938 - 1949

PIERRE  GUINAND

Nachdem er zwischen 1936 und 1937 erster Präsident des französischen Rechnungshofes war, wird Pierre Guinand bei ihrer Gründung erster Präsident von SNCF. In diesem Jahr erhält SNCF die Gesellschaftsform eines gemischtwirtschaftlichen Unternehmens, das zu 51% im Besitz des Staates ist.

Mit dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 gerät das Unternehmen unter die Kontrolle der deutschen Besatzung. Im September 1940 wird Guinand von der Vichy-Regierung abgesetzt.

PIERRE-EUGÈNE  FOURNIER

Der Gouverneur der Banque de France, Pierre-Eugène Fournier wird 1940 an die Spitze von SNCF berufen. Fournier ist ein intimer Kenner des Eisenbahnwesens, hat doch sein Bericht zur Wirtschafts- und Finanzsituation der Eisenbahn von 1929 direkt zur Gründung von SNCF geführt. Ihm fällt die Aufgabe zu, das Unternehmen durch die finsteren Jahre zu führen.

Im August 1946 gibt er seinen Posten auf. Bei Kriegsende ist das Schienenetz zu drei Viertel zerstört, sowohl durch alliierte Bombardements als auch durch Sabotageakte de Résistance. Alles muss wieder aufgebaut werden.

Im November 2010 drückt SNCF ihr Bedauern über die Folgen ihres Handelns aus, zu dem das Unternehmen unter dem Druck der Dienstverpflichtung während des Zweiten Weltkriegs gezwungen war. In ihren Waggons wurden 76.000 Frauen, Männer und Kinder nach Deutschland deportiert, um anschließend  in Konzentrationslager geschickt zu werden.

MARCEL  FLOURET

Der Absolvent der Ecole Polytechnique Marcel Flouret übernimmt im September 1946 das Steuer bei SNCF. Er beginnt mit dem Wiederaufbau des Netzes. Er investiert große Summen in die Elektrifizierung. Nach dem Krieg sind annähernd 2.600 Brücken und Viadukte beschädigt, rund 100 Bahnhöfe zerstört und ein großer Teil der Einrichtungen und des Materials unbrauchbar.
Unter seiner Präsidentschaft erhält das Unternehmen ein neues Logo. Und mit der Region „Méditerranée“ erfährt das SNCF-Netz eine weitere Ausweitung. Marcel Flouret bleibt bis 1949 im Amt.

PIERRE GUINAND

Der erste Präsident

Nachdem er zwischen 1936 und 1937 erster Präsident des französischen Rechnungshofes war, wird Pierre Guinand bei ihrer Gründung erster Präsident von SNCF.

PIERRE-EUGÈNE FOURNIER

Der Präsident der finsteren Jahre

Der Gouverneur der Banque de France, Pierre-Eugène Fournier wird 1940 an die Spitze von SNCF berufen

MARCEL FLOURET

Der Mann des Wiederaufbaus

Der Absolvent der Ecole Polytechnique Marcel Flouret übernimmt im September 1946 das Steuer bei SNCF.


1949 - 1975

Pierre  Tissier

Pierre Tissier führt SNCF von 1949 bis zu seinem plötzlichen Ableben im Jahr 1955. Der ehemalige Staatsrat und Generaldirektor im Finanzministerium bringt das Unternehmen endgültig auf den Weg der Modernisierung. Unter anderem elektrifiziert er die Strecke Paris-Lyon. In den Annalen seiner Präsidentschaft ist ein Geschwindigkeitsrekord von 140 km/h verewigt, gefahren auf genau dieser Linie.

LOUIS   ARMAND

Die Symbolfigur des französischen Eisenbahnerwiderstandes Résistance-Fer, Louis Armand wird 1949 Generaldirektor von SNCF. Nachdem der Absolvent der Ecole Polytechnique 1955 zum Präsident ernannt worden ist forciert er die Elektrifizierung der Strecken im Norden und Osten des Landes indem er das neue einphasige Hochspannungs-Wechselstromnetz (25.000 V, 50 Hz) einführt. SNCF stellt mit zwei Lokomotiven einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord von 331 km/h auf. In dieser Ära entsteht auch der neue Service Trans Europe Express und die dritte Klasse wird endgültig abgeschafft. Louis Armand gibt die Präsidentschaft 1958 ab.

ANDRÉ   SÉGALAT

André Ségalat, der SNCF von 1958 bis 1975 leitet, initiiert die Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris-Lyon und damit eine echte Revolution: Zum ersten Mal stellt die Eisenbahn in einem Industrieland ihre Eignung zum Transport von Menschen mit Hochgeschwindigkeit und über große Entfernungen unter Beweis. Weitere bemerkenswerte Innovationen aus dieser Zeit: Der Schnellzug Le Capitole (Paris-Austerlitz-Toulouse, 200 km/h), Sernam (Paket-Expressdienst), die Senioren- und die InterRail-Karte und schließlich auch die berühmte Monatskarte Carte Orange in der Region Ile-de-France. Auch die ersten Schritte in Richtung elektronischer Reservierung werden getan.

Pierre Tissier

Die Modernisierung beschleunigt sich

Pierre Tissier führt SNCF von 1949 bis zu seinem plötzlichen Ableben im Jahr 1955.

LOUIS ARMAND

Der Wegbereiter der Innovation

Die Symbolfigur des französischen Eisenbahnerwiderstandes Résistance-Fer, Louis Armand wird 1949 Generaldirektor von SNCF.

ANDRÉ SÉGALAT

Eine revolutionäre Präsidentschaft

André Ségalat, der SNCF von 1958 bis 1975 leitet, initiiert die Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris-Lyon.


1975 - 1988

JACQUES  PÉLISSIER

In die Präsidentschaft von Jacques Pélissier zwischen 1975 und 1981 fällt die Verbesserung des Komforts bei Zugreisen mit der Einführung des Corail-Waggons. Unter ihm wird auch der Bau der ersten TGV-Line, der Hochgeschwindigkeitsstrecke Sud-Est vollendet. In der Region Île-de-France eröffnet SNCF die RER-Linie C, die erste S-Bahn-Linie, die zu 100% von SNCF betrieben wird.

ANDRÉ   CHADEAU

André Chadeau wird 1981 ernannt und bleibt 4 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens. Unter seine Ägide fällt der Beginn der Hochgeschwindigkeitsära auf dem Teilstück Paris-Lyon. Der neue Bahnhof Lyon Part-Dieu wird eingeweiht und das Projekt TGV Atlantique wird gestartet. Schließlich betrifft eine bedeutende Änderung das gesamte Unternehmen: SNCF wird ein „öffentliches Industrie- und Handelsunternehmen“ (EPIC).

PHILIPPE   ESSIG

Philippe Essig leitet SNCF von 1985 bis 1988. Im Jahr 1987 entsteht das Netzwerk Transport Express Régional (TER): Die Verbindungen zwischen den französischen Regionen werden verbessert und regionale Destinationen gewinnen dadurch an Bedeutung. Die TER-Züge symbolisieren die Zusammenarbeit zwischen SNCF und den Regionen.

JACQUES PÉLISSIER

Komfort im Corail

In die Präsidentschaft von Jacques Pélissier zwischen 1975 und 1981 fällt die Verbesserung des Komforts bei Zugreisen mit der Einführung des Corail-Waggons.

ANDRÉ CHADEAU

Der erste TGV

André Chadeau wird 1981 ernannt und bleibt 4 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens.

PHILIPPE ESSIG

Die Geburt des TER

Philippe Essig leitet SNCF von 1985 bis 1988.


1988 - 1995

PHILIPPE   ROUVILLOIS

Der bisherige Finanzchef von SNCF, Philippe Rouvillois wird am 1. Februar 1988 die Nummer 1. Nach einem tragischen Eisenbahnunglück im Bahnhof Paris-Lyon im Juni 1988 tritt er von seinem Posten zurück. Ein Mahnmal erinnert auf dem unterirdischen Bahnsteig B des Bahnhofs an die 56 Opfer.

JACQUES   FOURNIER

Unter seiner Präsidentschaft von 1988 bis 1994 wird der TGV Atlantique bis Le Mans ausgebaut. Mit 513,3km/h stellt der Zug am 18. Mai 1990 einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Im Jahr 1991 öffnet eine Richtlinie der Europäischen Kommission den Eisenbahnmarkt für die Konkurrenz.

JEAN   BERGOUGNOUX

Jean Bergougnoux leitet das Unternehmen von 1994 bis 1995. In dieser Zeit stellt SNCF den Eurostar in Dienst, der Paris mit London in 3 Stunden verbindet. Mit der Einführung einer gemeinsamen Fahrkarte in der Region Île-de-France werden auch die Verbindungen zwischen den Pariser Verkehrsbetrieben RATP und SNCF vertieft.
Als Reaktion auf Streiks gegen eine Rentenreform führt das Unternehmen die „Gilets Rouges“ (Rotwesten) ein: Freiwillige kümmern sich im Rahmen des Service „SNCF Assistance“ an Tagen mit großem Reiseaufkommen in den Bahnhöfen um die  Fahrgäste, informieren und begleiten sie. Jean Bergougnoux tritt nach den Streiks von 1995 zurück.

PHILIPPE ROUVILLOIS

Tragisches Intermezzo

Der bisherige Finanzchef von SNCF, Philippe Rouvillois wird am 1. Februar 1988 die Nummer 1.

JACQUES FOURNIER

Der TGV Atlantique

Unter seiner Präsidentschaft von 1988 bis 1994 wird der TGV Atlantique bis Le Mans ausgebaut.

JEAN BERGOUGNOUX

Der Eurostar

Jean Bergougnoux leitet das Unternehmen von 1994 bis 1995.


1995 - 2008

LOÏK   LE FLOCH-PRIGENT

Als Präsident von 1995 bis 1996 gibt Loïk Le Floch-Prigent den Startschuss für den Thalys auf der ersten Verbindung Paris-Brüssel-Amsterdam. Auf den meist befahrenen Linien führt SNCF doppelstöckige TGV-Garnituren ein: die Geburtsstunde des „Duplex”-Zuges.

LOUIS   GALLOIS

Louis Gallois, der von 1996 bis 2006 an der SNCF-Spitze steht, gibt dem Unternehmen neue Impulse: 1977 wird der staatliche Betreiber des französischen Schienennetzes Réseau Ferré de France (RFF) gegründet,  der Transilien startet im Jahr 1999 und symbolisiert die Erneuerung des Regionalverkehrs in der Île-de-France. Im Jahr 2000 werden die Regionen Aufgabenträger im Schienenpersonennahverkehr. Und 2001 geht eine SNCF-Website online, die sich zum e-commerce-Marktführer in Frankreich mausern wird: voyages-sncf.com. Die Linie TGV Méditerranée schließlich rückt Marseille näher an Paris heran und der iDTGV propagiert eine neue Art zu reisen.

ANNE-MARIE  IDRAC

Von 2006 bis 2008 steht mit Anne-Marie Idrac erstmals eine Frau an der Spitze von SNCF. Gleichzeitig ist sie die erste Vizepräsidentin des Internationalen Eisenbahnverbandes (UIC). In ihre Präsidentschaft fällt die Reform der Rentenversicherung für die Eisenbahner und die Einführung des Minimalservice bei Streiks. Der neue TGV Est von Paris nach Straßburg und weiter in große deutsche Städte (Frankfurt, Stuttgart, München) wird von den Fahrgästen beiderseits de Rheins begeistert aufgenommen. Am 3. April 2007 stellt der TGV Est einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf: 574,8 km/h.
Anne-Marie Idrac engagiert sich auch für die Reform des SNCF-Bereichs  Logistik und Gütertransport und inspiriert sich dabei am Beispiel Deutschland. Schließlich stößt sie auch die Modernisierung des regionalen Schienenpersonenverkehrs mit TER und Transilien an.

LOÏK LE FLOCH-PRIGENT

Der Duplex-TGV

Als Präsident von 1995 bis 1996 gibt Loïk Le Floch-Prigent den Startschuss für den Thalys auf der ersten Verbindung Paris-Brüssel-Amsterdam.

LOUIS GALLOIS

Neue Impulse

Louis Gallois, der von 1996 bis 2006 an der SNCF-Spitze steht, gibt dem Unternehmen neue Impulse: 1977 wird der staatliche Betreiber des französischen Schienennetzes Réseau Ferré de France (RFF) gegründet.

ANNE-MARIE IDRAC

Die Erneuerin

Von 2006 bis 2008 steht mit Anne-Marie Idrac erstmals eine Frau an der Spitze von SNCF.