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Die französische Eisenbahn seit 1827

Seit der ersten Eisenbahnstrecke Kontinentaleuropas im Jahr 1827 hat der Zug in Frankreich menschliche Tragödien, technologische Herausforderungen, kulturelle Revolutionen und noch viel mehr erlebt... Entdecken Sie die Geschichte der Eisenbahn und jener, die sie schreiben.



  1.  
  2. 1827
  3. 1837
  4. 1841
  5. 1842
  6. 1849
  7. 1852
  8. ...

1841

ERSTE INTERNATIONALE FERNVERBINDUNG VON STRASSBURG NACH BASEL: DIE MUTTER DES EUROPÄISCHEN EISENBAHNETZES

1841 wird die Strecke von Straßburg nach Basel in Betrieb genommen: Mit 140 km Länge ist sie die bis dato längste Frankreichs.
Diese Linie ist in verschiedener Hinsicht eine Premiere: Zum ersten Mal ist eine Eisenbahnstrecke nicht mehr aus einem lokalen Bedarf heraus entstanden, sondern nicht mehr und nicht weniger als die allererste internationale Verbindung zwischen der Schweiz und Frankreich. Und außerdem soll sie einer ebenfalls neuen Eisenbahnstrecke auf der deutschen Seite des Rheins Konkurrenz machen. Die Strecke wird von der „Compagnie du Chemin de Fer de Strasbourg à Bâle“ betrieben und wurde auf Initiative des Textilfabrikanten Nicolas Kœchlin gebaut, der vorher schon die Genehmigung zum Bau der Strecke von Mulhouse nach Thann erhalten hatte.



1842

EIN KÜHNER PLAN FÜR DIE EISENBAHN: DER STERN DES M. LEGRAND

Zwischen 1827 und 1842 werden in Frankreich lediglich 569 km Eisenbahnstrecken gebaut. Aber man erkennt, welchen unschätzbaren Wert die Eisenbahn für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes haben kann. Schlagwörter wie „industrielle Revolution“, „vereinfachter Handel“ oder „Transportmittel für das ganze Volk“ machen die Runde.
Baptiste Alexis Victor Legrand, Generaldirektor des französischen Brücken- und Straßenbauwesens,  legte der Regierung den ersten umfassenden Plan für ein Eisenbahnnetz in Frankreich vor. Der „Stern von Legrand“ sah fünf Eisenbahnlinien vor, die von den Landesgrenzen von Nordosten, Ärmelkanal, Atlantik und Mittelmeer sternförmig auf Paris zulaufen sollten. Folgerichtig legte er fünf Strecken fest, die gebaut werden sollten: Paris – Lille, Paris – Strasbourg, Paris – Le Havre, Paris – Lyon – Marseille und Paris – Bordeaux – Hendaye.


1849

DER BAU DER MONUMENTALEN PARISER BAHNHÖFE

Sofort nach ihrer Gründung beginnen die großen Eisenbahngesellschaften mit dem Bau der großen Bahnhöfe von Paris.


  • Paris, Gare de l’Est: 1849 eingeweiht, 1854, 1900 und 1931 vergrößert.
  • Paris, Gare de Lyon: Der erste Bahnhof stammt von 1849, der nach wie vor funktionierende wurde 1901 in Betrieb genommen.
  • Paris, Gare du Nord: Der erste Bahnhof wird 1846 erbaut und um 1860 wieder abgerissen. Das noch heute stehende Bauwerk stammt von 1864.
  • Paris, Gare Montparnasse: Die erste Haltestelle „Maine“ von 1840 muss 1852 einem festen Gebäude weichen. 1969 wird etwas entfernt vom alten Bahnhof ein neuer gebaut.
  • Paris, Gare Saint Lazare: Die Haltestelle „Europa“ von 1837, von der die Linie nach Saint-Germain ausgeht, wird 1867 ersetzt.
  • Paris, Gare d’Austerlitz: 1843 wird die Haltestelle am Botanischen Garten, „Jardin des Plantes“ eingeweiht, die 1869 durch das nach wie vor funktionierende Gebäude ersetzt wird.

1852

ENGLISCHE LOKOMOTIVEN AUF FRANZÖSISCHEN STRECKEN

1844 wird die erste große Eisenbahnlinie zwischen Paris und Rouen eingeweht. Die Konzession dafür erhält ein anglo-französisches Unternehmen. Speziell für diese Strecke lässt der britische Ingenieur William Barber Buddicom in einer Fabrik in Rouen 40 Dampflokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bauen.


Ab 1846 gibt es eine 120 km lange Eisenbahnverbindung zwischen Avignon und Marseille. Auch die Betreibergesellschaft dieser Strecke bestellt bei einem englischen Ingenieur neun Maschinen, beim ersten großen industriellen Hersteller von Lokomotiven: Robert Stephenson, der zusammen mit seinem Sohn Robert in England die berühmte „Rocket“ erfunden hatte.

1852 kauft die „Compagnie du Chemin de Fer de Paris à Strasbourg“ die Dampflokomotiven von Thomas Russell Crampton. Sie werden unter Lizenz in Paris gebaut und ziehen die Waggons mit der unvorstellbaren Geschwindigkeit von 120 km/h: Deshalb nennt man sie die „Windhunde auf Schienen“!


1883

PARIS-KONSTANTINOPEL – DER LEGENDÄRE ORIENT-EXPRESS

1876 gründet Georges Nagelmackers die „Compagnie Internationale des Wagons-Lits“. Dieser belgische Ingenieur genießt auf einer Reise in die USA den Komfort der von Georges Pullman eingerichteten Züge. Das bringt ihn auf die Idee, Züge zu bauen, die auch über die Grenzen in Europa fahren können.


Damit die wohlhabende Kundschaft den Komfort der Grand Hotels wiederfindet, bestehen die Züge aus Pullman-Waggons mit breiten, bequemen Sesseln, luxuriösen Schlafwagen und einem Speisewagen. Die Innendekoration besticht durch Paneele mit wertvollen Intarsienarbeiten und gegossenes Glas von Lalique.

Am 5. Juni 1883 wird der „Express des Orients“ eingeweiht. Er verbindet den Bahnhof Paris Gare de l’Est mit Konstantinopel (Istanbul) über Straßburg, München, Wien, Budapest und Bukarest. Ab 1891 nennt er sich schließlich Orient-Express.


1888

INGENIEURSKUNST IM GANZEN LAND UND DER BERÜHMTE GARABIT-VIADUKT

Die verschiedenen Eisenbahnstrecken müssen sich der Geograhie der Regionen, die sie durchqueren, anpassen. In Gebirgsgegenden sind Brücken, Viadukte und Tunnels notwendig. Beispielhaft hierfür ist die Cevennenlinie, die von der „Compagnie des Chemins de Fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée“ (PLM) gebaut wurde und sich auf 153 km durch 101 Tunnels schlängelt.


Die Durchquerung der Alpen erzwingt den Bau eines 12 km langen Tunnels durch den Mont-Cenis, um von Modane nach Italien zu gelangen.
Die Compagnie du Midi baut auf der Strecke von Neussargues nach Béziers den Garabit-Viadukt, der 564 m lang ist. Die Eisenbahnbrücke ist das erste Bauwerk Frankreichs ganz aus Metall. Sie wurde vom Ingenieur Léon Boyer entworfen und von 1882 bis 1884 von Gustave Eiffel (dem Schöpfer des Eiffelturms) erbaut. Die 448 m lange Fahrbahnplatte mit nur einer Fahrspur erhebt sich 122 m über den Fluss. Das nach wie vor genutzte Bauwerk steht unter Denkmalschutz.