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Die französische Eisenbahn seit 1827

Seit der ersten Eisenbahnstrecke Kontinentaleuropas im Jahr 1827 hat der Zug in Frankreich menschliche Tragödien, technologische Herausforderungen, kulturelle Revolutionen und noch viel mehr erlebt... Entdecken Sie die Geschichte der Eisenbahn und jener, die sie schreiben.



  1.  
  2. 1827
  3. 1837
  4. 1841
  5. 1842
  6. 1849
  7. 1852
  8. ...

1852

ENGLISCHE LOKOMOTIVEN AUF FRANZÖSISCHEN STRECKEN

1844 wird die erste große Eisenbahnlinie zwischen Paris und Rouen eingeweht. Die Konzession dafür erhält ein anglo-französisches Unternehmen. Speziell für diese Strecke lässt der britische Ingenieur William Barber Buddicom in einer Fabrik in Rouen 40 Dampflokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bauen.


Ab 1846 gibt es eine 120 km lange Eisenbahnverbindung zwischen Avignon und Marseille. Auch die Betreibergesellschaft dieser Strecke bestellt bei einem englischen Ingenieur neun Maschinen, beim ersten großen industriellen Hersteller von Lokomotiven: Robert Stephenson, der zusammen mit seinem Sohn Robert in England die berühmte „Rocket“ erfunden hatte.

1852 kauft die „Compagnie du Chemin de Fer de Paris à Strasbourg“ die Dampflokomotiven von Thomas Russell Crampton. Sie werden unter Lizenz in Paris gebaut und ziehen die Waggons mit der unvorstellbaren Geschwindigkeit von 120 km/h: Deshalb nennt man sie die „Windhunde auf Schienen“!


1883

PARIS-KONSTANTINOPEL – DER LEGENDÄRE ORIENT-EXPRESS

1876 gründet Georges Nagelmackers die „Compagnie Internationale des Wagons-Lits“. Dieser belgische Ingenieur genießt auf einer Reise in die USA den Komfort der von Georges Pullman eingerichteten Züge. Das bringt ihn auf die Idee, Züge zu bauen, die auch über die Grenzen in Europa fahren können.


Damit die wohlhabende Kundschaft den Komfort der Grand Hotels wiederfindet, bestehen die Züge aus Pullman-Waggons mit breiten, bequemen Sesseln, luxuriösen Schlafwagen und einem Speisewagen. Die Innendekoration besticht durch Paneele mit wertvollen Intarsienarbeiten und gegossenes Glas von Lalique.

Am 5. Juni 1883 wird der „Express des Orients“ eingeweiht. Er verbindet den Bahnhof Paris Gare de l’Est mit Konstantinopel (Istanbul) über Straßburg, München, Wien, Budapest und Bukarest. Ab 1891 nennt er sich schließlich Orient-Express.


1888

INGENIEURSKUNST IM GANZEN LAND UND DER BERÜHMTE GARABIT-VIADUKT

Die verschiedenen Eisenbahnstrecken müssen sich der Geograhie der Regionen, die sie durchqueren, anpassen. In Gebirgsgegenden sind Brücken, Viadukte und Tunnels notwendig. Beispielhaft hierfür ist die Cevennenlinie, die von der „Compagnie des Chemins de Fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée“ (PLM) gebaut wurde und sich auf 153 km durch 101 Tunnels schlängelt.


Die Durchquerung der Alpen erzwingt den Bau eines 12 km langen Tunnels durch den Mont-Cenis, um von Modane nach Italien zu gelangen.
Die Compagnie du Midi baut auf der Strecke von Neussargues nach Béziers den Garabit-Viadukt, der 564 m lang ist. Die Eisenbahnbrücke ist das erste Bauwerk Frankreichs ganz aus Metall. Sie wurde vom Ingenieur Léon Boyer entworfen und von 1882 bis 1884 von Gustave Eiffel (dem Schöpfer des Eiffelturms) erbaut. Die 448 m lange Fahrbahnplatte mit nur einer Fahrspur erhebt sich 122 m über den Fluss. Das nach wie vor genutzte Bauwerk steht unter Denkmalschutz.


1897

4. KLASSE UND EINE LEGENDÄRE DAMPFLOK

Die Dampflok, die bereits 1897 von der Kamera der Filmbrüder Lumière in dem Streifen L’Arrivée d’un train en gare de La Ciotat („Ankunft eines Zuges im Bahnhof von La Ciotat“) unsterblich gemacht wurde, muss modernisiert werden. Um die immer mehr werdenden und immer besser ausgestatteten Personenzüge (was die Waggons immer schwerer und länger werden lässt) zu ziehen, werden immer kräftigere und schnellere Lokomotiven gebraucht.

Und so erscheinen einige Jahre später, 1907, die ersten Prototypen der legendären "Pacific", des neuen Lokomotiventyps "231" (auch „2' C 1'“ genannt: ein voraus laufendes Drehgestell auf zwei Achsen, drei miteinander verbundene Kuppelachsen und eine hintere Laufachse) auf der Bildfläche. Der französisch-schweizerische Komponist Arthur Honegger hat eine Fahrt mit dieser Lokomotive in dem sinfonischen Satz Pacific 231 musikalisch verewigt.

1906 führt die Eisenbahn von Elsass-Lothringen für Strecken, die mit dem Omnibus bedient werden, eine 4. Klasse (seit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters hatten Passagierzüge immer drei verschiedenen Klassen angeboten). In dieser neuen Klasse reist man vor allem stehend.

Video :
Ankunft eines Zuges in La Ciotat – Louis Lumière, Sommer 1897 © Association frères Lumière

1900

DIE ERSTE ELEKTRISCHE LOKOMOTIVE, DER „SALZTOPF“ FÄHRT IN PARIS

Im Jahr 1898 ist der Gare d’Austerlitz, der Pariser Heimatbahnhof des Streckennetzes der Compagnie du Paris-Orléans, noch ziemlich weit vom Zentrum der Hauptstadt entfernt. Deshalb beschließt die Gesellschaft, die Linie um 3,8 km Richtung Zentrum zu verlängern und einen neuen Bahnhof zu bauen – Paris-Orsay (der heute das Musée d’Orsay beherbergt).


Diese Teilstrecke kann allerdings nur unterirdisch gebaut werden. Deshalb kommen die Dampfloks wegen ihrer Schadstoffproduktion als Zugmaschinen nicht in Frage. Also lassen die Ingenieure auf dieser Strecke Elektroloks fahren.

Acht Lokomotiven, die den Strom mit einer Schleiffeder von einer dritten seitlichen Stromschiene abnehmen (wie heute noch bei der Pariser Metro), werden zwischen 1900 und 1904 ausgeliefert. Der Volksmund nennt sie wegen ihres Aussehens „Boîte à Sel“ (Salztopf): Die zentrale Führerkabine thront über je einer abgeschrägten Motorhaube auf jeder Seite.


1907

DIE PACIFIC – EINE DAMPFLOK GEHT IN DIE GESCHICHTE EIN

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts findet die „Compagnie du Paris à Orléans“ (P.O.), dass sich in ihrem Fuhrpark keine Dampflokomotiven finden, die genug Kraft entwickeln, um Schnell- und Expresszüge ziehen können, weil diese immer schwerer werden.
Das Wachstum der Eisenbahn geht ungehemmt weiter – pausenlos werden neue Strecken eröffnet und die Zahl der Fahrgäste erreicht schwindelnde Höhen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, bekommen die Passagierwaggons nunmehr metallische Strukturen, die auf Drehgestellen montiert werden. Sie sind jetzt zwar länger, um noch mehr Fahrgäste aufnehmen zu können, aber auch viel schwerer.
Neue, stärkere und vor allem schnellere Lokomotiven müssen also her. Die „Compagnie du P.O.“ und die „Société Alsacienne de Construction Mécanique“ (SACM) entwickeln gemeinsam einen neuartigen Lokomotiventyp mit einem voraus laufenden Drehgestell auf zwei Achsen, drei miteinander verbundenen Kuppelachsen und einer hinteren Laufachse. Der Lokomotiventyp „231“ (wegen der Achsanordnung) wird „Pacific“ genannt. Die ersten Prototypen erscheinen 1907. Es sind die ersten Exemplare Lokomotivenfamilie, die sich bei Eisenbahnern, Kennern und in der Öffentlichkeit einen legendären Ruf erworben und die Arthur Honegger in seinem sinfonischen Satz „Pacific 231“ verewigt hat.

Historische Lokomotive -